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Eines der wichtigsten Monumente badischer geschichte

Grabkapelle Karlsruhe

Ansicht des Innenraums der Großherzoglichen Grabkapelle Karlsruhe; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Urheber unbekannt
Der Erinnerung gewidmet

Der Kapellenraum

Hellroter Sandstein, weißer Marmor, schwarzer Labradorit, Holz, große Fenster und ein Terrazzoboden: Ganz unterschiedliche Materialien bestimmen den Gesamteindruck in der Grabkapelle von Karlsruhe. Künstlerischer Höhepunkt des Raumes sind die drei Grabdenkmäler von Hermann Volz in den Querschiffen.

Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe, Innenraum Kapelle; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Eva Kobelt

Blick zur Decke der Grabkapelle.

Festlicher Innenraum

Den Kapellenraum betrat man früher bei Bestattungen durch das Westportal an der Lärchenallee. An das Langhaus mit den Kirchenbänken schließen sich die Vierung, die kurzen Querarme und der Chor als Ort des Gedenkens an die Verstorbenen an. Die Ausstattung wirkt festlich: Im Terrazzoboden und an den Wänden sind Bibelzitate zu finden. Die oberen Säulen der Langhauswände bestehen aus schwarzem, glänzend poliertem Labradorstein mit hellen Sandstein-Kapitellen. Ungewöhnlich rustikal sind die hölzernen Gewölbe mit ihren eigenwillig gestalteten Gurtbögen. Zur Gesamtwirkung trugen auch die Fenster bei, die durch eine Luftmine während des Zweiten Weltkriegs verloren gingen. Viele von ihnen waren mit symmetrischen Ornamenten in kräftigen Farben gestaltet.

Ansicht des Altars im Chor der Großherzoglichen Grabkapelle Karlsruhe; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Helene Seifert

Altar im Chor der Grabkapelle.

Der Altar

Denselben prägnanten Farbklang wie an den Langhauswänden wählte man für den Altar, der auf Wunsch des Großherzogs nach italienischen Vorbildern aus Modena und Florenz gestaltet wurde. Die Firma Rupp & Möller, noch bis 1987 in Karlsruhe tätig, führte die Steinhauerarbeiten aus. Die Säulenschäfte sind aus schwarz-grün schimmerndem, poliertem Labradorit, der zweistufige Sockel aus Granit stammt aus Seebach bei Achern. Für die übrigen Teile des Altars wurde strahlend weißer Marmor aus den berühmten Steinbrüchen im norditalienischen Carrara verwendet. An den Chorwänden rund um den Altar hängen zahlreiche Kranzschleifen.

Ansicht des Grabmals Prinz Ludwig Wilhelm in der Großherzoglichen Grabkapelle Karlsruhe; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Das Grabmal des Prinzen Ludwig Wilhelm von Baden.

Grabdenkmal für den Prinzen

In den Querarmen des Kapellenraums stehen die drei Grabdenkmäler Ludwig Wilhelms und seiner Eltern – einzigartig in ganz Baden-Württemberg. Sie sind nur sogenannte Scheingräber, die an die Verstorbenen erinnern. Die eigentliche Bestattung erfolgte in der Gruft unter dem Kapellenraum: Hier liegen die Verstorbenen zusammen mit 14 weiteren Familienmitgliedern in schlichteren Särgen. Bildhauer Hermann Volz schuf die eindrucksvollen Plastiken aus weißem Carrara-Marmor. Typisch für die Entstehungszeit: Die Gesichter aller drei Figuren vermitteln den Eindruck von Schlafenden, nicht von Toten. Das Grabmal für Prinz Ludwig Wilhelm, dessen Tod Anlass für den Bau der Kapelle gab, befindet sich beim Zugang zur Gruft. 

Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe, Grabmal Prinz Ludwig, Detailaufnahme Kopf; Foto: Staatsanzeiger Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Anja Stangl
Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe, Grabmal Prinz Ludwig, Detailaufnahme Hände; Foto: Staatsanzeiger Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Anja Stangl
Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe, Grabmal Prinz Ludwig, Detailaufnahme Wappen; Foto: Staatsanzeiger Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Anja Stangl

Meisterlich ausgearbeitet: Kopf des Prinzen und seine Hände, die den Rosenzweig halten; dazu das badische Wappen auf dem Grabtuch an der Stirnseite.

Beeindruckende Details

Der jung verstorbene Prinz war Leutnant des badischen Infanterie-Regiments – Überrock, Militärmantel  und Säbel weisen darauf hin. In den Händen hält er einen blühenden Rosenzweig. Besonders reizvoll ist die detaillierte Ausarbeitung der Stoffe. Am Kopfende trägt das steinerne Tuch das fein eingearbeitete, bekrönte Wappen Badens. Volz hatte ein berühmtes Vorbild: das Grabmal der Königin Luise von Preußen. Der Bildhauer Christian Daniel Rauch hatte es 1814 für das Mausoleum von Schloss Charlottenburg bei Berlin geschaffen. Dass man sich an den preußischen Königen orientierte, war kein Wunder, denn die Mutter des Prinzen, Großherzogin Luise von Baden, war eine preußische Prinzessin.

Grabdenkmäler für die Eltern des Prinzen

Die Grabdenkmäler für Großherzog Friedrich I. (1826–1907) und Großherzogin Luise (1838–1923) schuf Hermann Volz nach demselben Typus. Auf dem Sockel des Denkmals für Luise ist das Allianzwappen von Baden und Preußen eingemeißelt, auf der gegenüber liegenden Seite das Rote Kreuz im Lorbeerkranz – Luise hatte die Rot-Kreuz-Schwesternschaft in Baden gegründet. Mehr als dreihundert erhaltene Kranzschleifen zeugen von den Bestattungen und Kranzniederlegungen, die in der Kapelle stattfanden.

Grabdenkmäler von Großherzog Friedrich I. und seine Gemahlin Luise in der Großherzoglichen Grabkapelle Karlsruhe; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Sandra Eberle

Die Grabdenkmäler von Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise, geschaffen von Bildhauer Hermann Volz.

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