Eines der wichtigsten Monumente badischer geschichte

Grabkapelle Karlsruhe

Liberaler Fürst und Kunstliebhaber

Friedrich I. von Baden

Großherzog Friedrich I. (1826-1907) war ein moderner Fürst – er machte Baden zu einer Art „liberalem Musterland“. 1871 spielte er eine nicht unerhebliche Rolle in Schloss Versailles.

Porträt des Großherzogs Friedrich I. von Baden, Ferdinand Keller, Öl auf Leinwand, 1900; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Großherzog Friedrich I. von Baden.

Warum kam er als Zweitgeborener an die Macht?

Friedrichs älterer Bruder Ludwig II. war psychisch krank. Schon beim Tod des Vaters Leopold 1852 übernahm daher Friedrich die Regentschaft. 1856 wurde er offiziell Großherzog – Ludwig hatte sich selbst für regierungsunfähig erklärt. Mehr als 50 Jahre regierte Friedrich I., und das recht liberal. Unter anderem verfocht er die konstitutionelle Monarchie – als Enkel Großherzog Karl Friedrichs aus dessen zweiter, nicht standesgemäßer Ehe war er modern und relativ bürgerlich erzogen worden.

Großherzog Friedrich I. von Baden.

Baden war damals stark an Preußen gebunden. Dass Friedrich I. mit Luise eine Preußin heiratete, basierte durchaus auf echten Gefühlen – aber auch politisch passte es ins Konzept. Friedrich und sein Schwiegervater, Kaiser Wilhelm I., schätzten sich sehr, auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren. In Wilhelm allein liege die Möglichkeit einer Rettung vor dem Untergang Deutschlands, schrieb Friedrich schon 1854. So unterstützte er die Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 mit Nachdruck.

Relief am Denkmal für Kaiser Wilhelm I. am Kaiserplatz in Karlsruhe,1897 von Adolf Heer; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Relief am Denkmal für Kaiser Wilhelm I..

Welche Rolle spielte er für Kaiser Wilhelm I.?

1871, bei der Proklamation Wilhelms I. zum Kaiser, hatte sein Schwiegersohn Friedrich I. von Baden eine Schlüsselrolle: Hitzig hatten Wilhelm und Kanzler Bismarck die Frage diskutiert, ob Wilhelm „Kaiser von Deutschland“ werden sollte oder „deutscher Kaiser“. Friedrich umging das Problem geschickt: Er rief einfach ein Hoch auf „Seine königliche und kaiserliche Majestät“ aus – und ging damit in die Geschichte ein.

Fotografie von Großherzogin Luise und Großherzog Friedrich um 1905; Foto: Sandra Eberle

Friedrich I. und Luise um 1905.

Was hat Friedrich I. hinterlassen?

Karlsruhe ist bis heute durch Friedrich I. geprägt – zum Beispiel durch seine Liebe zur Kunst. 1854 rief er die Kunstschule ins Leben, die spätere Kunstakademie, an der Bildhauer Hermann Volz lehrte. 1878 entstand die Kunstgewerbeschule. 1902 erhielt die Technische Hochschule Karlsruhe – das heutige KIT – nach ihm ihren Namen: „Fridericiana“. Friedrich förderte aber auch Industrie und Landwirtschaft. 1907 starb der vorletzte Großherzog auf der Insel Mainau – dort hatte er die Parkanlagen mit ihren exotischen Pflanzen begründet.

TIPP

Die Hochzeit Friedrichs mit Luise von Preußen fand 1856 statt. Hören Sie mehr über diese fürstliche Liaison – bei unserer Sonderführung „Baden und Preußen“.